Artikelbild für den Blogpost "2,5 Jahre - Was ich dir noch sagen will" vom 17.12.2017 auf www.coloredcube.de

2,5 Jahre – Was ich dir noch sagen will

Es ist jetzt 2,5 Jahre her seit ich dich verlassen habe. In dieser Zeit dachte ich viel über dich, über mich, über uns nach. Ich dachte, dass es nie jemanden wie dich geben wird. Dass du in allen Punkten die Messlatte zu hoch gesetzt hast. Es gibt heute jemanden, der mit Leichtigkeit drüber hinweg spaziert.

In den 2,5 Jahren habe ich meine Entscheidung nie bereut. Viel öfter habe ich bereut, sie nicht eher getroffen zu haben. Aber du hast mir Seiten gezeigt, die mich stark gemacht haben. Hast mir gezeigt, dass noch mehr in mir steckt. Wobei du mich klein gehalten hast. So klein, dass es Jahre braucht, wieder zu meiner Größe zurück zu finden.

Lange habe ich dich noch in Schutz genommen. Du bist krank, du kannst nichts dafür. Du wusstest es nicht besser. Vieles stimmt. Dass du mir die Schuld für deine Lage gegeben hast. Dass du Fehler gefunden hast die ich nie hatte. Aber nicht, dass du mir mein ganzes Geld genommen hast. Nicht, dass du mir mein Auto nicht zurückgeben wolltest. Nicht, dass du meinen Besitz zerstört hast. Nicht, dass du handgreiflich wurdest.

Über 2,5 Jahre habe ich mich gefragt, was ich falsch gemacht habe. Wieso ich mich von dir habe manipulieren lassen. Ob ich dir nicht doch irgendwie hätte helfen können. Ob ich zu wenig getan habe. Wieso ich nicht stark genug war. Dann wurde mir klar: das, was da spricht, das sind deine Worte, deine Gedanken. Nachdem ich von dir gegangen bin, ging es mir gut. Ich fand meinen alten Lebensmut, fand Ziele, die ich verfolgen konnte. Ich war bestärkt und zweifelte nicht an mir, dass ich nach dieser Zeit am Boden alles schaffen würde. Doch irgendwann tat ich das wieder. Du hast mir eingepflanzt, niemals genug zu sein. Immer zu wenig zu tun. Du hast mir beigebracht, dass etwas erst anerkannt wird, wenn ich weit über meine Grenzen gehe. Und so ging ich täglich über meine Grenzen in dem Glauben, dass ich sie immer noch nicht überschreiten würde. Dein unrealistischer Anspruch an mich ist schuld an meinem Burnout und an meinem geringen Selbstwertgefühl. Zumindest zu einem großen Teil.

Was ich dir noch sagen will: meinst du nicht, ich hätte es verdient, dass du wenigstens deine Schulden bei mir begleichst? Dass du dafür aufkommst, dass ich deinen Handyvertrag bezahlt habe, den du haben wolltest, aber nicht mehr benutzt hast? Dass du mir deinen Anteil an den Schulden zurückzahlst, die ich damals für dich aufgenommen habe? Wie kannst du eigentlich guten Gewissens Geld verdienen? Ich weiß nicht, wie es heute bei dir aussieht, aber ich weiß, dass du einige Zeit nach unserer Trennung finanziell gut aufgestellt warst. Am Wochenende gut und gerne 200€ verdient hast. Vier Wochenenden und wir wären quitt. Aber auf diese Idee bist du wohl nie gekommen. Nachdem du mir eine Sache nach der anderen zerstört hast. Nachdem du mich jahrelang finanziell ausgenutzt hast. Nachdem du mich psychisch absolut fertiggemacht hast. Nach allem, was ich für dich getan habe.

Ich hab nochmal bei null angefangen. Und du? Du hast dich darauf ausgeruht, dass entweder deine Eltern oder ich schon für dich sorgen werden. Oder deine Freunde.

Du kannst nichts dafür, dass du krank bist. Aber ich bezweifle, dass es die Borderline-Störung ist, die uns letztlich bis zum Kontaktabbruch auseinandergetrieben hat. Mein Umfeld hat es viel früher als ich erkannt: du warst einfach ein Arschloch.

Trotzdem wünsche ich dir, dass du glücklich bist. Dass du jemanden hast, der zu dir passt – was auch immer das bedeutet. Ich hoffe, dass du niemals wieder einen Menschen so schlecht behandeln wirst, wie mich damals. Dass du niemanden mehr ausnutzen wirst und belügst. Und dich dabei als Heiligen und das Opfer darstellst. Ich wünsche mir wirklich, dass du nach all unseren gemeinsamen Jahren etwas gelernt hast. Dass du tatsächlich siehst, dass ich alles für dich getan habe. Alles gegeben habe. Vor allem aufgegeben habe. Natürlich wünsche ich mir damit eine gewisse Genugtuung, aber viel wichtiger ist mir, dass du erkennst, was du alles kaputt gemacht hast. Nicht nur Dinge. Du hast fast ein Leben zerstört. Deine Taten waren es, welche die schweren Depressionen ausgelöst haben. Durch die ich mich fast umgebracht habe. Ich will nicht, dass du das jemals wieder irgendwem antust. Ich hasse dich nicht, aber ich habe meinen Respekt vor dir verloren. Das, was dir immer am wichtigsten war. Glaubst du wirklich, dass dir ein Baseballschläger im Kofferraum Respekt einbringt? Ich hoffe, das hat sich geändert.

Vielleicht war ich auch einfach die falsche Kategorie Mensch, die deinen Respekt verdient hat. Vielleicht hat dein mangelnder Respekt mir gegenüber was mit deiner Krankheit zu tun. Ich weiß es nicht. Was ich mir für dich wünsche ist, dass du erfährst wie es ist, einen Menschen für das zu lieben, was er ist, und nicht für das, was er für dich tut. Auch nicht für das Bild, das er erfüllen soll aber wohl nie erfüllen wird.

Rückblickend beinhaltet mein Text viel Verachtung für dich. Ob ich noch was Positives für dich übrig habe? Vielleicht, dass du so vielseitig bist. Und mit Leidenschaft bei den Dingen. Ohne dich hätte ich diesen Teil meines Charakters nicht kennengelernt. Danke dafür.

Was ich dir, lieber Leser, noch sagen will: es ist ok, eine Beziehung über eine lange Zeit zu verarbeiten. Du musst nicht nach so und so vielen Wochen damit fertig sein. Manche Erlebnisse wiegen schwerer als andere. Es ist ok, auch in einer neuen Beziehung noch über die alte nachzudenken. Es ist sogar wichtig, denn nur so kannst du feststellen, welche alten Muster du überträgst obwohl sie nicht passen.

Aber: du musst verzeihen. Das mag nach dem Text hier anders erscheinen, aber ich habe all die Dinge, die mein Ex mir angetan hat, schon längst verziehen. Es ging in den 2,5 Jahren nicht darum zu verarbeiten, was er gemacht hat. Es ging darum, zu verarbeiten, was das mit mir gemacht hat. Am Ende ist mein Urteil über ihn nicht positiv, und darüber bin ich sehr froh. Denn mit dem geringen Selbstbewusstsein und meinem Perfektionismus habe ich alles bis aufs Detail analysiert um meinen Anteil rauszufiltern. Tatsächlich kommt er, rein rational, bei der Rechnung viel viel schlechter weg als ich.

Endlich habe ich das kapiert.

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