Depressionen sind wie Krebs

Wir müssen über Depressionen und Selbstmord reden. Denn beides existiert in unserer Welt und darf nicht verurteilt werden. Muss erst ein für sehr viele bedeutsamer Mensch daran sterben, damit diese Krankheit endlich als solche anerkannt wird?

Depressionen sind wie Krebs.
Sie können jeden treffen.
Sie können immer zurückkehren.
Die Behandlung kann, muss aber nicht anschlagen.
Sie können tödlich enden.

Wieso ist es in unserer Gesellschaft so verpönt seelisch zu leiden? Ja das Leben ist hart. Aber manchmal ist es zu hart. Das ist nichts, was wir uns aussuchen. Niemand mit Depressionen hat bewusst gesagt: ich möchte diesen psychischen Arschtritt jetzt nicht verkraften. Oder hat gar um einen solchen gebeten.

So viele Studien haben ergeben, dass sich Körper und Geist nicht voneinander trennen lassen. Ich frage mich, warum dennoch so viele Menschen dieser Meinung sind – auch Mediziner. Was muss passieren damit der notwendige Wandel endlich Früchte trägt. Zahlreiche Menschen berichten im Internet und anderen Medien über ihre Erkrankung. Erst seit den letzten Jahren sind Dokumentationen über Depressionen nicht mehr vollgepackt mit Tränen und Hoffnungslosigkeit und erwecken den Eindruck, dass psychische Krankheiten etwas sind, was den Großteil der Menschen gar nicht betrifft. So wie die Bilder von Naturkatastrophen, weit weit weg von Deutschland.

Wir berichten über uns, trauen uns aus dem Schatten hervor zu treten – und dennoch will man uns mit Tabletten „in den Griff kriegen“, statt das Problem in seiner vollen Bedeutung zu erfassen. Weil die meisten wahrscheinlich Angst vor der Wahrheit haben, dass sie zum Teil Schuld haben am Anstieg der Krankheitsfälle. Ich rede von den skrupellosen Machthabern, die ihre Menschlichkeit verloren haben. Von den Narzissten in den Chefetagen. Von irregeleiteten Ideologen, die den Wettbewerb noch immer für etwas natürliches halten in unserer hoch modernen Welt, die in ihrer sozialen Struktur überhaupt nicht mehr der der Urzeit entspricht. Wir reden von Jägern und Sammlern obwohl wir so abhängig voneinander sind wie noch nie in der Geschichte der Menschheit. Und was tun wir? Uns gegeneinander ausspielen; wir verhindern Harmonie und Verständnis.

Depressionen oder psychisches Leiden allgemein ist nur selbstverständlich in einer Welt die zum Großteil aus Denken besteht. Wo damals hauptsächlich unsere körperlichen Fähigkeiten gefragt und benötigt wurden, geschieht heute alles in unseren Köpfen während wir uns kaum bewegen. Da das Gehirn nunmal keinen Muskelkater, einen Bänderriss oder Rheuma bekommen kann, äußert sich eine Erkrankung dort eben so: Konzentrationsschwäche, Traurigkeit, Antriebslosigkeit, Müdigkeit und so weiter. Aber wir erkennen das nicht. Warum nicht? Wieso fällt es uns noch immer so schwer zu akzeptieren, dass auch die Seele irgendwann nicht mehr funktionsfähig ist? Und zwar aus normalen, unbeeinflussbaren Gründen, wie sie eben auch Krebs erzeugen können. Was überbeansprucht wird, geht kaputt. So auch unser Denkapparat, der ständig tausenden von Eindrücken ausgesetzt ist.

Vielleicht hilft es ja schon damit aufzuhören zu sagen, dass sich Betroffene Hilfe holen sollen. Denn sich Hilfe zu holen hängt immer irgendwo mit Schwäche zusammen, jedenfalls in unseren Köpfen. Aber bei anderen schweren Krankheiten reden wir auch nicht davon, dass jemand Hilfe bräuchte. Wir schicken denjenigen einfach zum Arzt und sagen „du bist nicht gesund“.

Wann hört dieser Wahnsinn auf? Wann sehen wir endlich, dass nicht die Technik das ist, was die Menschen jetzt benötigen, sondern Liebe?

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