Kalter Kaffee

Leeres Dokument öffnen. Die ersten Buchstaben über die Tastatur auf den weißen Bildschirm klopfen. L-E-E… Drei Punkte stehen für „Ich weiß nicht, wie es weitergeht“. Dies ist das Thema der letzten Tage. Ungewissheit. Aber immerhin ist dies gewiss. Die Maschine im Kopf hört auf zu laufen. Kein Antrieb mehr, der Treibstoff ist aus, jemand hat den Stecker gezogen oder ist einfach über das Kabel gestolpert look at this web-site. Einen Unterschied macht das nicht. Wenn nichts läuft, ist es egal warum. Denn zwischen all den „Wie geht’s?“ und „Alles gut?“ wirkt ehrliches Interesse eher befremdlich. Mitten auf dem Weg stehen bleiben, Rückstau verursachen bloß für ein „Ach! Hi! Lang nicht mehr gesehen! Na?“ und noch während des Aussprechens hoffen, dass die andere Person es kurz macht. Diese vermeintlich glücklichen Menschen mit ihren vielen Freunden, tollen Erlebnissen und noch schönerer Aussicht auf die Zukunft. Die das Wort „Problem“ nur vom Hörensagen kennen und ein ebensolches weit umfahren.


Ich wollte mal die Welt verändern. Spuckte große Töne und schrieb noch größere auf. Nur um jetzt bei ihrem Anblick zu versteinern. Was habe ich mir da aufgehalst? Was habe ich mir dabei gedacht? Warum reicht mir ein normales Leben nicht? Wieso muss es immer harte Arbeit sein, wann kann ich mich denn ausruhen? Nach einer Stunde Arbeit drei Stunden Pause. So läuft das hier. Kurzer Motivations- und Produktionsschub für ein paar Minuten. Dann die erste Flaute. Ebbe. Wieder eine Pause. Gestern wollte ich mich und mein Sein in Stein meißeln – heute manifestiert sich nicht einmal mehr der Wunsch zu atmen. Es ist doch viel zu anstrengend zu leben. Täglicher Kampf in der Stadt gegen die Auswucherungen der Anderen. Ich versuche nicht zu ersticken in ihren Gerüchen und Dämpfen. In ihren wortgewordenen Gedanken, die mich nur ermüden. Ich will mich selbst denken hören aber hier ist es zu laut. Und so schalte ich mich und die Außenwelt ab. Bis es nach einigen Stunden wieder ruhig genug ist um in Ruhe zu atmen.


Sich einzupendeln erscheint langweilig. Mein immer gewollter Alltag wird zur Qual, mein Kopf kramt alte, ungesunde, unbewusste Schemata aus und lässt sie mich durchspielen nur damit es spannender wird. Es ist alles gut aber wir müssen für Drama sorgen. Denn das Unerwartete ist es wert erzählt zu werden. Wenn alles läuft wie gewohnt, ist es nicht nötig eine Geschichte zu erzählen. Aber ich will schreiben. Worüber soll ich denn schreiben, wenn in meinem Kopf nichts geschieht? Wenn über den Mist der Welt, den jeder sehen kann, schon genug erzählt wird und es somit nichts Unerwartetes mehr ist? Es ist doch schon alles gesagt worden und geändert hat sich doch nichts.

Schwarze Gedanken einer getrübten Seele.

Der Kaffee ist so kalt, dass er schon gefroren ist.

 

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