Sich lieben wie man ist #paleskin

Sich lieben wie man ist

Ich bin noch nicht an dem Punkt angelangt, dass ich behaupten könnte, dass diejenigen, die diesen Blog lesen, genau wissen, wie ich aussehe. Naja, ausgenommen meine Freunde und Arbeitskollegen (Grüße!!). Dennoch mag es euch aufgefallen sein, dass ich mich nicht unbedingt als #sunkissed bezeichnen kann. Im Gegenteil: Sätze wie „Geht es dir gut? Du siehst so blass aus“ und „geh mal ein bisschen mehr an die Sonne“ gehören zu meinen meistgehörten Phrasen #paleskin.

Während ich mit meinen 24 Jahren auf die Frage, ob mit mir denn alles in Ordnung sei mittlerweise gelassen antworten kann, dass das einfach meine Gesichtsfarbe ist und ich nun einmal immer wie der leibhaftige Tod aussehe, ist eine Sache für mich ein Dorn im Auge:

Blass sehe ich dicker aus als andere

Es ist eine fiese Welt… wir Menschen sind Wesen, die viel Wert auf die Ästhetik legen und ich kann mich da überhaupt nicht rausnehmen. Ich glaube, dass besonders meine Liebe zu schönen Bildkompositionen, Farben und vermittelten Botschaften mir zum Verhängnis wird, wenn es um meinen eigenen Körper geht. Instagram, diese Ausgeburt der #selbstliebe-Hölle, zeigt uns täglich, wie hässlich wir im Vergleich zu anderen sind. Wie hässlich ICH im Vergleich zu anderen bin. Denn ich bin blass. Und sehe deutlich dicker aus.

Zahlreiche Youtube-Videos und andere Ratgeber in Zeitschriften und auf Websites mögen euch bereits mitgeteilt haben, dass der menschliche Körper in dunklen Farben gehüllt besonders schlank und vorteilhaft erscheint. Das Gleiche gilt natürlich auch für einen dunkleren Farbton der Haut. Das Spiel mit Licht und Schatten ist auf dunklen Tönen viel ausgeprägter, dadurch sehen wir die Dimensionen viel deutlicher – der Körper erscheint dünner.

Ich will an dieser Stelle nicht zu sehr in philosophische Gedanken abdriften. Aber für einen kurzen Moment sollten wir uns klarmachen, was eigentlich die Realität ist. Ist es das, was wir sehen? Was wir schmecken? Oder das, was wir fühlen?

Was wir sehen, ist nicht DIE Wahrheit

Wir haben allgemein gesprochen fünf Sinne: Sehen, Riechen, Tasten, Schmecken, Hören. Allgemein gehen wir davon aus, dass wir mit diesen Sinnen die Realität begreifen können. Nun, wenn du mich fragst, ist das ziemlich engstirnig. In der Tierwelt gibt es Tetrachromaten, die anders als wir neben den Farben Blau, Rot und Grün auch noch die Farbe Gelb in differenzierten Weisen wahrnehmen können. Leben die in einer anderen Realität? Nein, sie bewohnen den Planeten Erde genau wie wir, doch sie erleben ihn in einer anderen Art und Weise. Ist diese falsch? Ganz bestimmt nicht.

Halten wir uns vor Augen, dass die Realität von jedem Individuum anders konstruiert wird, so sollte uns deutlich werden, dass es DIE EINE Realität überhaupt nicht gibt. Dementsprechend sind wir in den Augen des einen dick, in den Augen des anderen dünn. Doch genau für dieses Problem haben sich menschliche Gesellschaften die „Normalität“ geschaffen – ein Konstrukt, welches uns Orientierung gibt, was gut ist, und was nicht.

An diesem Normalen halten sehr viele von uns fest. Ist ja auch in Ordnung so, das Leben heutzutage ist kompliziert und komplex, jede Vereinfachung ist willkommen und notwendig. Leider hat das Normale ein Problem: es ist genauso wenig wahr, wie die von uns gedachte Realität wahr ist.

Bodystandards – #bodygoals

Für die meisten dürfte es nichts Neues sein, wenn ich hier von Rubensdamen und dem Wandel des weiblichen Schönheitsideals spreche, deswegen spare ich mir das an dieser Stelle. Im Moment sieht es so aus, als wäre ein sportlicher, leicht muskulöser, schlanker Körper mit erkennbaren Rundungen das weibliche Schönheitsideal. Wobei wir beim ursprünglichen Thema wären: gebräunt siehst du besser aus.

Ich hatte noch nie ein Problem mit meiner blassen Haut, bis auf die oben erwähnten Sätze, die ich regelmäßig zu hören bekomme. Wenn ich in den Spiegel schaue, sehe ich eigentlich total normal und gesund aus. Allerdings mache ich in letzter Zeit öfter Fotos von mir und – Instagram sei Dank – habe ich genug Möglichkeiten mich mit anderen menschlichen Lebewesen zu vergleichen.

Natürlich weiß ich, dass Filter und andere Bearbeitungen sehr viel am Erscheinungsbild ändern. Klar, wird hier und da ein Mädel auf Instagram auch Falten und „Speckröllchen“ wegretuschieren. Jedoch haben fast alle eins gemeinsam: entweder, sie haben eine gebräunte Haut, oder sie sind blass und krass schlank.

Und da bin ich: Blass und – ja, keine Ahnung. Meinen eigenen Körper so wahrzunehmen wie er ist, fällt mir sehr schwer. Ich war nie Magersüchtig oder hatte eine krankhafte Essstörung, aber als normal würde ich das bei mir auch nicht bezeichnen. Heute schaue ich mir Bilder von vor ca. vier Jahren an und denke: „Wow, da warst du richtig gut in Form“.

Kurz nach der Aufnahme des Fotos dachte ich, dass da noch locker 5kg runter könnten. Und das alles, obwohl ich nach wie vor in Kleidergröße 34 bis 36 bei einer Körpergroße von 1,74cm passe. Warum ist das so öffentlich schreibe? Weil ich das nicht einordnen kann, es quasi nichts für mich aussagt.

Der „richtige“ Körper allein macht nicht glücklich

Mit den Jahren habe ich gelernt, dass es besser ist, sich so zu lieben, wie man ist. Denn an vielem kann man eh nichts ändern. Ich weiß noch, wie ich mit 14 dachte, dass mich erst ein flacher Bauch wirklich glücklich machen wird. Und dann hab ich ihn mir antrainiert – und ich war unglücklich wie vorher. Demnach änderte ich im Laufe der folgenden 10 Jahre meine Denkmuster und kann zufrieden sagen, dass mein Denken heute viel gesünder ist als damals. Aber einige Zweifel sind trotzdem geblieben. Einige Probleme von damals, sind nicht einfach verschwunden.

Ich bin blass. Ich bin nicht krass muskulös. Meine Kleidung schneidet hier und da ein und verursacht unschöne Röllchen. Ich ziehe den Bauch ein. Trage Push-Ups. Manchmal verdecke ich auch Pickel und Rötungen auf meinem Gesicht. Es gibt Tage, da setze ich mich in Szene. Und an manchen Tagen ist der weiteste Pullover noch nicht weit genug.

Aber ich akzeptiere mich wie ich bin. Und ich glaube daran, dass andere mich schön finden.

So wie jeder von uns schön ist.

So, wie auch Du schön bist.

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