Wie Du die Trophäe des Erwachsenseins freischaltest – ein philosophischer Guide(-Ansatz)

Mit 23 Jahren bin ich immer noch geschockt vom Erwachsenwerden.

Doch zuerst:

Wie alles begann

Die ersten richtigen Überlegungen, wie das wohl so ist, endlich erwachsen zu sein, hatte ich mit etwa 14 Jahren. Damals wollte ich wissen, woran ich denn später merke, dass ich richtig erwachsen bin. In meinem Kopf herrschte immer diese Vorstellung, dass es einen wahrhaftig spürbaren Moment der Erleuchtung gibt, sobald man ein Erwachsener ist. Also genau so wie in Videospielen, wenn der Charakter in goldenes Licht gehüllt wird, ein erhabener, göttlicher Sound ertönt sobald man ein Level aufgestiegen ist.

Mit dieser Überzeugung lebte ich allerdings auch meine Teenie-Jahre in dem Denken, eben noch ein Teenie zu sein. Als ich dann 18 wurde – offiziell erwachsen aber gleichzeitig Teenie – wurden die Zweifel stark. Zweifel, wo denn dieses Gefühl vom Erwachsen-Sein bleibt. Zweifel, ob ich fähig bin, genügend Leistung erbringen kann um mich einen Erwachsenen zu nennen. Ich machte mir also selbst Druck. Weil mein Umfeld mir das so beigebracht hat, dass Leistung alles ist. Und ich dummerweise schon sehr früh glaubte ein perfekter Mensch werden zu müssen, aber dies ist eine andere Geschichte…

Spätestens mit 20, als ich mitten in der Ausbildung steckte und mein damaliger Freund schnellstmöglich aus dem Elternhaus in unsere gemeinsame, erste Wohnung ziehen wollte, erwartete ich meinen eigenen Level-Up mit Trompeten-Sound und einer leuchtenden Aura um mich herum. Stattdessen war ich jeden Tag unglücklich mit meiner Situation. Erwachsene gingen 8 Stunden oder mehr an fünf Tagen der Woche arbeiten, freuen sich auf das Wochenende und kommen ansonsten ziemlich gut klar. Aber ich nicht. Und so zwang ich mich, diesem Bild des erwachsenen Menschen zu entsprechen und zwang mich zu Zufriedenheit und Frohsinn.

Hallo Depression!

Ich zog aus mit 21 Jahren und war endlich erwachsen. Hab mein Leben im Griff gehabt, jeden Tag eine saubere Wohnung vorzuweisen, stets gebügelte Wäsche. Außerdem kochte ich jeden Abend für mich und meinen Freund nach der Arbeit, gesund und ausgewogen. Wir hatten nicht viel Geld, aber waren glücklich und zufrieden.

Nicht.

Als ich den Mietvertrag unterschrieb, waren die oberen Zeilen mein Ziel gewesen. All dies sollte eintreffen, sobald ich meine erste Nacht in meiner bzw. unserer Wohnung verbringen sollte. Was tatsächlich geschah, lässt sich nicht mit einer einfachen 180°-Metapher erklären. Nicht nur, dass ein so großer Wunsch nicht in Erfüllung ging. Es geschah das totale Gegenteil – und noch mehr. Ich war in einer tiefen Depression. Allein. Zu zweit gefangen auf 38m².

Die Depressionen hatten aber auch ihren Vorteil. Durch meinen Willen, sie zu bekämpfen, lernte ich viel über mich selbst kennen und erforschte damit auch den Menschen allgemein. Die Erkenntnisse schockieren mich noch heute. Hatte ich mir alles doch ganz anders vorgestellt. Nicht unbedingt einfacher. Aber nicht mit so viel Hass, Wut und Dunkelheit in den Seelen der Erwachsenen-Welt. War ich doch als Kind mit nicht mehr Negativität konfrontiert gewesen als leichter Traurigkeit, oberflächlichen Gemeinheiten oder Neid. Und ganz normalem Pech eben.

Erwachsene sind Monster die das Strahlen in deiner Seele fressen

Mein Arbeitsumfeld lehrte mich, dass ich nichts weiter war als Arbeitskraft. Ein austauschbarer Faktor, der seine Arbeit durch die damals noch nicht als solche erkannte Depression nicht richtig verrichtete und daher noch mehr Hass, Wut und Geringschätzung zu spüren bekommen sollte. So bekäme man ja Maschinen wieder zum Laufen. Sprechenden Menschen kann man helfen, bekam ich zu hören. Also erwartete auch meine Chefin von mir, dass ich mit meinen 21 Jahren bereits vollkommen erwachsen war und genau über mich und mein Wesen Bescheid wusste.

Bis heute weiß ich nicht, ob ich mich noch normal oder langsam entwickelt habe. In vielen Bereichen war ich allerdings schon sehr früh viel weiter als andere. Aber was mich selbst betrifft… Eigentlich kannte ich kaum jemanden in meinem Alter, der wusste, wie der Hase läuft. Eigentlich wussten wir nur definitiv, dass man in Super Mario nicht nach links läuft. Und selbst das hat sich geändert.

Aber eines muss ich doch zugeben: es gab eine Art Stufenaufstieg-Achievement-Moment. Mir ging ein Licht auf, als ich feststellte, dass Selbstreflexion sehr wichtig für die Persönlichkeitsentwicklung ist.

Erst, wenn wir erkennen, wer wir waren, können wir verstehen wer wir sind, und können lenken, wer wir werden.

Ab dann begriff ich. Ich war. Also war ich buchstäblich erwachsen. Erwachsen aus dem unwissenden Kind in das erfahrenere Hier und Jetzt meines Seins. Und darin liegt für mich die wahre Bedeutung des Erwachsenwerdens. Somit stelle ich auch immer wieder fest, dass viele sich selbst als Erwachsene sehen, es aber in ihrem Wesen überhaupt nicht sind. Auch das Alter, sagt nichts darüber aus. Solang der Mensch in dem 43-jährigen Körper noch immer nicht versteht, ist er ein unwissendes Kind.

Warum dann noch heute der Schock?

Zwei Jahre nach dieser für mich so weltumkrempelnden Erkenntnis behaupte ich also immer noch, dass das Erwachsenwerden mich schockiert. Es schockiert mich in der Hinsicht, dass die Definition dieses Begriffes, die ich in der Gesellschaft wahrnehme, in der ich lebe, so weit entfernt ist vom Glück.

Man brachte mir bei – und versucht es auch heute noch – dass Erwachsene einfach tun, was getan werden muss. Sich mit Sachen abfinden, leben und leben lassen. Dabei ja nicht negativ auffallen, aber auch nicht alles mit sich machen lassen. Den Erwartungen entsprechen. Sich anpassen. Den Zeitgeist erkennen.

Allein wenn ich daran denke, wird mir schlecht. Es schockiert mich, dass ich mit 23 Jahren als Kind gesehen werde, das gleichzeitig doch endlich erwachsen sein soll. Also doch bitte so sein soll, wie es gerade gewünscht wird.

Ich bin geschockt darüber, dass ich mit 23 Jahren mit all dem sofort klarkommen muss, was sich viel viel viel ältere Menschen mit viel viel viel mehr Lebenserfahrung ausgedacht haben. Dabei denke ich an den ganzen Papierkram, Behördengänge, Umgang mit der Arbeitswelt etc. Dass noch Politik, Gesellschaft, Wirtschaft und Kunst eine weitere wichtige Rolle spielen und doch bitte endlich Einzug in unsere Freizeit halten sollen, habe ich noch gar nicht erwähnt.

Mein größter persönlicher Schock ist allerdings, dass ich mit 23 Jahren viel erwachsener zu sein scheine, als sehr viele mit einem höheren Alter zoloft dosage. Ich dachte immer, dass ich mich als jüngerer Mensch auf die Älteren verlassen könnte, dass sie mir nicht wehtun würden, und dass ich ihnen vertrauen könnte. Ich habe mich so sehr getäuscht. Viele Jahre bedeuten nicht gleichzeitig viel Erfahrung. Viel Erfahrung bedeutet nicht unbedingt, dass der Mensch, der sie gemacht hat, aus ihnen viel Wissen gezogen hat. Vor allem hilfreiches Wissen, kein destruktives.

Natürlich ist diese Sichtweise sehr subjektiv. Nichts davon, sehe ich als das absolut gültige an, das gibt es sowieso nicht. Dennoch denke ich, dass es für jeden von uns nicht verkehrt sein kann, an einem Miteinander zu arbeiten, dass auf Verständnis, Freude und Zufriedenheit – kurz Liebe – basiert.

Wer das nach einigen Jahren auf diesem Planeten immer noch nicht kapiert hat, ist ein bemitleidenswertes, in meinen Augen hilfsbedürftiges, geschlagenes Kind, dass mit seinem Unmut viel Schaden anrichtet.

 

Und damit endet der erste Artikel auf coloredcube! Woop Woop! Wie hat er dir gefallen? Oder ist er furchtbar? Wie hast du das „erwachsen“ empfunden oder empfindest es?

Ich freue mich über deinen Beitrag zum Thema des Posts, über Lob oder deine Aufforderung mit dem Schreiben wieder aufzuhören…

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