Die Zeit des Wahnsinns aka abgrundtiefer Trennungsschmerz

Wieso ich nicht schon früher auf die Idee gekommen bin, mir einfach meinen Frust von der Seele zu schreiben? Wahrscheinlich, weil ich glaubte, dass sich daraus kein Mehrwert für die Menschheit ergeben dürfte.

Ob dieser Text das erzielt weiß ich nicht. Allerdings weiß ich, dass man nicht schwimmen kann, wenn man nicht ins Wasser springt. Also widme ich meine heutige Schreibenergie meinem aktuellen Frust und versuche daraus etwas zu formen, dass du als schwarze Worte auf weißem Grund betrachten und interpretieren kannst, sodass sich vielleicht sogar ein Sinn für dich darin zeigt.

Was frustriert dich denn so?

Nett, dass du fragst. Hauptsächlich frustriert mich tatsächlich, dass ich überhaupt frustriert bin. Mir graut es vor Kummerfalten und buchstäblich grauen Haaren… Außerdem ist Frust so eine Sache, die ich nicht gernhabe.

Frust macht Menschen komisch, Frust bringt nix und Frust macht, dass ich mich schlecht fühle.

Dir ist mit Sicherheit auch das Vorurteil über frustrierte alte Menschen bekannt, oder? Tatsächlich habe ich Angst, dass dieser Prozess schon jetzt bei mir anfängt. Wenn ich jetzt schon frustriert bin, wie soll das dann erst aussehen, wenn ich älter bin?!

Legen wir mal den Lachs auf den Tisch. Denn irgendwie geht es sogar darum. Jaja, du kannst das jetzt sogar zweideutig verstehen, denn in der Tat ist mein Frust der Tatsache geschuldet, dass ich Single bin. Fast hätte ich jetzt gesagt, dass ich das nicht im typischen Sinne meine, aber was ist denn überhaupt typisch?

Am härtesten am Single-Dasein trifft mich die Tatsache, dass es bei mir bedeutet, eine große Liebe verloren zu haben.

Immerwährender Herzschmerz

Meine Trennung liegt jetzt schon eine ganze Zeit zurück, aber diese Beziehung streckte sich über einen langen Zeitraum und war so intensiv, dass ihre Abklingzeit ungewöhnlich lang ist. Und während ich das hier so schreibe wird mir klar – es ist wie im RPG: solange die Abklingzeit nicht rum ist, kannst du den Zauber oder Angriff nicht wirken. Um den Bogen zurück zum echten Leben zu schlagen: solange du deine Beziehung nicht vollkommen verdaut hast, solltest du dir keine neue Beziehungstorte reinstopfen.

Ha! Ich bin dem Problem auf den Grund gegangen! Der Text endet jetzt hier und ich bin glücklich – oder?

Wenn das so einfach wäre, dann wüsste ich jetzt, dass es besser wäre nicht weiter über eine Pizzabestellung nachzudenken. Stattdessen denke ich weiterhin über die Frustpizza nach UND darüber, woher ich Wein und eine nette Bekanntschaft für den Abend herbekomme. Dass ich morgen früh aufstehen muss, eigentlich kein Geld mehr ausgeben sollte und überhaupt heute sehr wenig für das Studium oder den Blog getan habe teilt mir mein Verstand zwar unmissverständlich in regelmäßigen Abständen mit – etwa so frequentiert wie das Akkus meines Handys, dass heute zum zweiten Mal fast leer ist – aber das hält doch mein Herz nicht davon ab zu leiden! No way!

Schallendes Gelächter, irres Trallala und salzige Tränen

Die Frustpizza würde vor allem einem Zweck dienen: meinen Magen vollzustopfen, auf dass ich vielleicht durch den inneren Druck der Nahrung so viel Gegendruck zu meinen quälenden Gedanken aufbauen würde, dass ich diese nicht mehr wahrnehme. Mit dem Wein würde ich das irre Gesumme in meinem Kopf ersaufen und die Abendgesellschaft könnte vielleicht in mein schallendes Gelächter einstimmen, das auftritt sobald ich über mich und meinen Zustand nachdenke. Ich nenne ihn, die Zeit des Wahnsinns!

Mit diesem Trennungsschmerz verhält es sich wie mit blauen Flecken. Sie sehen nicht schön aus, sie stören je nach dem was man gerade anziehen möchte, sie tun weh wenn man sie berührt. Als introvertiertes Sensibelchen drückt fast jede Alltagssituation drauf und lässt mich an den Schmerz erinnern.

Meine eigene Wohnung erinnert mich tagtäglich daran, warum ich sie überhaupt bewohne. Wenn ich aufgrund von Depressionen mein Studium nicht vorantreibe, ist das eine Erinnerung an den Grund dieser Krankheit. Und blöderweise vermisse ich die Nähe zu einem Menschen schon so sehr, dass mich ein anziehender Duft eines Mannes schon fast aus der Fassung bringt (ja, ich bekenne mich…).

Diese Trennung schmerzt nicht mehr, weil ich um die Person trauere, die ich verloren habe. Natürlich ist es schade, aber in der Hinsicht habe ich die Beziehung zwischen uns verarbeitet und weiß woran sie gescheitert ist, und konnte uns beiden dafür vergeben. Was so sehr an mir zerrt, drückt und ziept ist die Tatsache, dass ich im Moment nicht liebe und auch nicht auf diese Art und Weise geliebt werde.

Ich hätte wirklich nicht gedacht, dass es mir doch noch auf diese Art wehtun wird.

Das Ding mit der Seelenverbundenheit

Mittlerweile habe ich wirklich ein paar wundervolle Menschen um mich gescharrt mit denen ich wundervolle Zeiten verbringen kann. Aber mit keiner Freundin erlebe ich so intensive Momente, wie mit jemandem, den ich auf allen emotionalen Ebenen anziehend finde. Mir fehlt es, gleichermaßen über eine Absurdität zu lachen und aus dem leidenschaftlichen Lachen eine ebenso leidenschaftliche Berührung zu erzeugen. Es fehlt mir zu spüren, dass ich jemanden auf verschiedene Weisen berühre.

Mein Bedürfnis nach einer Seelenverbundenheit geht so weit, dass ich sogar meine Introversion infrage stelle! Mich zieht es unter Menschen, ich will ausgehen und bin eher angespannt, wenn ich Zuhause bin, statt unterwegs. Bis jetzt interpretiere ich das als Lösungsansatz meines Geistes und meines Körpers mit der Situation fertig zu werden.

Und irgendwie hasse ich mich dafür.

Denn ich wäre viel lieber wieder unerschüttert, wie noch vor ein paar Wochen. Aus diesem Hass entstehen Frustpizzen, -kaffees und –drinks sowie „ach, wann kommt so eine Gelegenheit denn wieder?“-obwohl kein Geld dafür da ist-Unternehmungen.

Früher wäre es undenkbar für mich gewesen, auch nur eine Verabredung jede Woche in meine Woche zu planen. Jetzt sind es im Schnitt vier Verabredungen, mindestens zwei davon mit Kosten verbunden. Ob es Spaß macht? Aber sowas von!

Sich selbst hassen und sich selbst dafür verzeihen

Ich denke, dass der Schlüssel zur geheimen Kiste der Pandora nicht in diesem Text verborgen liegt. Aber zumindest weiß ich jetzt – und du vielleicht auch – dass Frust und Leid mit zerstörerischen Kräften daherkommen können, es sei denn, man behandelt diese Gefühle als genauso zum Leben dazugehörend wie Freude und Spaß auch.

Ich könnte mich jetzt dafür verurteilen, dass ich es nicht schaffe mein Geld wie geplant zusammenzuhalten.

Was ich auch tue.

Täglich.

Aber gleichzeitig versuche ich auch, das meiste aus außerordentlich verwerflichen Handlungen zu ziehen – nämlich Lebensqualität.

Mein Bestreben liegt darin, mir selbst für meinen Selbsthass zu vergeben und vor allem dahinterzukommen, warum ich mich überhaupt im Moment so wenig wertschätze. Weil ich mit diesem nachbebenden Trennungsschmerz nicht klarkomme? Sehr wahrscheinlich. Weil ich ungestillte Bedürfnisse habe? Auch wahrscheinlich. Weil ich frustriert bin? Definitiv.

Und auf einmal fällt der Vorhang zu und ich sehe Schwarz.

Wo eben noch Licht war, ist jetzt Dunkelheit. Die Unterhaltung ist vorbei.

Es folgt Stille und ein Husten in der vorletzten Reihe.

Ich hatte so gehofft, dass diese Show nie endet.

Um mich herum bewegt sich alles. Ich bin wie festgefroren.

Meine Bewegungen sind lahm und unsicher, am liebsten würde ich hier sitzen bleiben und die Augen schließen.

Und warten, bis mich jemand mitnimmt…

 

Gänzlich unerwartet ist nun dieser spontane Text der erste Post auf Colored Cube. Wie hat er dir gefallen? Kennst du die Situation die ich beschrieben habe? Wie gehst du damit um, wenn du frustriert bist?

Ich freue mich über jeden Kommentar und jede Kritik! Vielen Dank fürs Lesen!

 

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Kommentare (6) Schreibe einen Kommentar

  1. Hey, hast du Tinder? Ich helfe dir mit Wein und der netten Bekanntschaft für dein Abende 😉
    So vergisst man seine Ex-Partner am besten!

    Antworten

  2. Hey Jenny,

    ersteinmal vielen Dank für diesen Blog. Ich kam zufälligerweise von myMonk.de auf deine Seite und bin jetzt schon begeistert. Deine Texte bringen die heutige Situation auf den Punkt. Würde sehr gerne noch mehr von dir lesen und mich freuen wie sich deine Seite entwickelt.

    Einen schönen sonnigen Sonntag noch 😉

    LG Feli

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    • Hey Feli,

      vielen lieben und herzlichen Dank für dein positives Feedback! <3
      Ich hoffe, dass dir meine zukünftigen Texte weiterhin gefallen werden 😉

      Besten Dank, den schönen und sonnigen Sonntag wünsche ich dir auch!

      Liebe Grüße, Jenny

      Antworten

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